Siemens

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Die Siemens AG ist ein integrierter Technologiekonzern mit über 360.000 Mitarbeitern weltweit[1] in vier Hauptgeschäftsfeldern (Sektoren) Energie, Medizintechnik, Industrie sowie Infrastruktur und Städtebau mit Doppelsitz in Berlin und München. Der größte Standort mit über 23.000 Mitarbeitern ist Erlangen. Aufgrund der Technologieorientierung und des hohen Anteils von Forschung und Entwicklung ist Siemens ein wissensintensives Unternehmen. Die Wissensmanagement-Aktivitäten reichen bis in die 1990er Jahre zurück und wurden durch den mehrfache Gewinn des global Make-Award (2001, 2002, 2004, 2005, 2010, 2011) gewürdigt. Der Ausspruch des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer auf einer Pressekonferenz im Jahr 2000 "Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß"[2] ist zum geflügelten Wort in der Wissensmanagement-Szene geworden.

Top-Management

  • Vorsitzender des Vorstands: Joe Kaeser
  • Roland Busch
  • Lisa Davis
  • Klaus Helmrich
  • Janina Kugel
  • Siegfried Russwurm
  • Ralf Thomas

Managementmodell One Siemens[3]

Strategie und Ziele

Vision 2020 http://www.siemens.com/about/pool/strategy/siemens-strategiebroschuere.pdf, Digitalisierung, Elektrifizierung, Automatisierung

Organisation

9 Divisionen + Healthcare

Firmengeschichte

  • 1847: Gründung der Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske
  • 1890: Werner von Siemens scheidet aus der Geschäftsführung aus
  • 1949: Verlegung der Konzernzentrale nach München
  • 1966: Gründung der Siemens AG
  • 1990: Erwerb von 51% an der Nixdorf Computer AG
  • 2005: Verkauf der Handysparte Siemens Mobile an BenQ
  • 2015: Ausgliederung der Siemens Healthcare in eine eigenständige GmbH

Wissensmanagement bei Siemens

Bottom-up-Ansätze (1997 - 1999)

Erste Aktivitäten unter dem Begriff Wissensmanagement gab es bei Siemens als Bottom-up-Ansätze mit einer Gruppe von Mitarbeitern, die ihre Erfahrungen austauschten, ab 1997.[4] Mitarbeiter der IT- und der Personalabteilung gingen auf das Management zu und erbaten Unterstützung für eine Konzernweite Wissensmanagement-Initiative. Ein Top-Manager half, ein Papier zusammenzustellen, das zur Einrichtung eines kleinen zentralen Teams für die Koordinierung aller Wissensmanagement-Aktivitäten im Unternehmen führte. Die Hauptaufgabe des Teams bestand in der Erstellung einer Wissensmanagement-Roadmap, Guidelines für die Etablierung von Communities of Practice, Mobilisierung für Best-Practice- und Knowledge-Sharing sowie der Definition von Standards für technische Plattformen (damals LiveLink als globale Plattform).

Zentrales Unternehmensreferat Wissensmanagement (1999 - ?)

Die zentrale Koordinierung von gezielten Wissensmanagement-Maßnahmen begann 1999 unter Leitung des sog. Unternehmensreferats Wissensmanagement (Corporate Knowledge Management, IK CKM).[5] Heinrich von Pierer definierte "the electronic networking and management of our internal knowledge" als oberste Priorität und verankerte die Aussage "Durch Lernen werden wir immer besser" im Unternehmensleitbild. Als Arbeitsdefinitionen wurde Wissen als "Fähigkeit zum effektiven Handeln" (Peter Senge) und Wissensmanagement als "alle systematischen Aktivitäten zur Erzeugung und Teilung von Wissen, die dazu dienen, Wissen für den Erfolg eines Unternehmens nutzbar zu machen" definiert. Die Siemens Wissensmanagement Roadmap, die auf Basis der APQC Roadmap to Knowledge Management erstellt wurde, sah folgende zeitliche Phasen vor:

  • 1999-2001: Rahmen vorgeben, Infrastruktur bereitstellen, Motivierte unterstützen
  • 2000-2002: WM Roadmaps entwickeln und umsetzen, Mitarbeiter mobilisieren
  • 2001-2004: WM in Geschäften verankern, WM Funktionen schaffen
  • 2002-200?: Wissensbasierte Geschäfte aufbauen Global vernetzen

Als Rahmen wurde ein Wissensmanagement-System/-Modell als sozio-technisches Sytem (kein rein technischnisches Sytem) mit den fünf Bestandteilen erstellt:

  1. Umgebung und Rahmenbedingungen: Werte, Kultur, Führungsstil, Anreize und Anerkennung in einer wissensbasierten Organisation
  2. Knowledge Communities: themenorientierte Mitarbeiter-Netzwerke zum Teilen und Erzeugen von Wissen
  3. WM-Prozesse: die Prozesse “Wissen teilen” und “Wissen erzeugen”, integriert in die Geschäftsprozesse
  4. Knowledge Marketplace: Arbeitsumgebung für effektiven Wissensaustausch, schließt technische und nicht-technische Hilfsmittel ein
  5. WM-Organisation: spezifische Wissensmanagementfunktionen, die WM-Aktivitäten initiieren, fördern und unterstützen

Das Konzept sah vor, dass der Effektive Einsatz von Wissensmanagement neue Aufgaben in bestehenden Berufen (z.B. Community Moderator, Knowledge Coach, Content Manager, Author, Topic Owner) aber auch neue Berufsbilder (z.B. Chief Knowledge Officer, Knowledge Editor, KM-Tool-Architect, Fraud Manager, Knowledge Broker) erforderte.

Im Bereich des strategischen Wissensmanagements wurde gemeinsam mit CIBIT ein sog. Wissensstrategieprozess entwickelt, der in den fünf Phasen Definition des Anwendungsfalls, Ermittlung der Key Performance Indikatoren, Ermittlung der Wissensgebiete, Definition des Wissensmanagement-Aktionsplans abläuft. Zusätzlich wurde eine sog. Knowledge Scorecard konzipiert, um den Wissensstrategieprozess mit der Balanced Scorecard zu integrieren.[6]

Auf Basis des CoP-Ansatzes nach Wenger/Snyder wurde begonnen, Wissensgemeinschaften zu kultivieren. Aufgrund der globalen Verteiltheit erhielten die Communities den Bereich "Communities@Siemens" im Intranet. Die verschiedenen Community-Bereiche waren thematisch sortiert, z.B. unternehmensweite Themen, Arbeitsmethoden und -tools, Software&IT, Prozesse&Funktionen, Produkte, Märkte und Mitarbeiterthemen. Von Corporate Knowledge Management wurde Systematik zum Starten von Wissensgemeinschaften erarbeitet, die sich an den fünf Phasen Vorüberlegungen anstellen, Community-Konzept entwickeln, Mitglieder und Moderatoren finden, Kick-off-Workshop durchführen und Rahmenbedingungen schaffen orientiert. Zu den erfolgreichen Wissensgemeinschaften gehörten z.B. eine Community mit 1200 Software-Entwicklern, eine mit 1500 Prozesstechnologie-Ingenieuren bei Infineon, eine mit 200 SAP-Beratern bei Siemens Business Services und die Knowledge-Management-CoP (CoP KM) mit über 450 Mitgliedern.

Fachzentrum WM und Enterprise 2.0 (2004 - heute)

Ab 2004 beschäftigte sich das Fachzentrum Wissensmanagement im Rahmen des Forschungsprojekts "Community Methods" im Arbeitspaket "Methoden und Tools der Kommunikation und Vernetzung" mit Weblogs.[7] Mit dem Wechsel des Vorstandsvorsitzes auf Klaus Kleinfeld wurde für diesen ab März 2005 ein eigener Bereich mit dem Titel "CEO-Corner" im Intranet eingerichtet, der auch einen CEO-Weblog enthielt. Da in USA bereits Weblogs für Ideenwettbewerbe eingesetzt wurden und die Kommunikationsabteilung Interesse an einer gemeinsamen Plattform hatte, kam es zu einer Zusammenarbeit. Ende Juli lag eine erste Version für Blogging Guidelines vor, die nach dem Vorbild der Guidelines von IBM erstellt wurden. Von Juli bis August arbeitete des Fachzentrum an einem Prototyp der Siemens Blogosphere auf Basis der Multiblog-Software twoday. Ab dem 04.04.2006 stand die Anwendung Testnutzern ab dem 29.06.2006 dann allen Mitarbeitern zur Verfügung. Zur Vermarktung wurde die Initiative Blog 100 durchgeführt, Podcasts mit internen und externen Weblog-Experten erstellt und der "Blog of the Week" gekührt. Bis Ende November 2006 wurden 8879 Nutzer vom System registriert, persönliche Weblogs wurden von 309 Benutzern selbstadministriert erstellt, 38 Weblogs wurden als Gruppenweblog mit mehr als einem Autor von der Administration auf Anfrage erstellt.[8]

Auf Basis von Diskussionen in der Blogosphere ging die Idee für ein Firmenwiki, ebenfalls als Bestandteil des Global Intranet Portal, hervor.[9] Eine Recherche in 2007 ergab, dass im Intranet über 60 verschiedene Wikis weltweit z.B. auf Basis von MediaWiki, MS SharePoint, TWiki etc. existierten.[10] Ebenfalls unter Federführung der Unternehmenskommunikation und des Fachzentrums Wissensmanagement begann im Februar 2008 die Pilotphase für die Siemens Wikisphere. Die Wikisphere basiert auf Confluence.

Im Dezember 2008 wurde vom Chief Technology Office ein Konzept für die Einführung einer Social Networking für die Siemens AG in Auftrag gegeben.[11] Das Konzept wurde von der Siemens IT Solutions and Services erstellt, die bereits 1998 das TechnoWeb für sich eingeführt hatte. Das TechnoWeb 2.0 sollte dieses Konzept mit dem Ziel implizites Wissen auffindbar zu machen sowie länder- und bereichsübergreifender Vernetzung Siemens-weit übernehmen. Das Konzept wurde im März/April 2009 vorgestellt und positiv beurteilt. Ab Oktober startete der sechsmonatige Pilotbetrieb des TechnoWeb 2.0 mit einer Division aus dem Sektor Energie als Pilotnutzer. Am 15.03.2010 wurde der siemensweite Roll-out im Intranet bekannt gegeben. Das TechnoWeb 2.0 wird vom Siemens Chief Technology Office im Bereich Open Innovation Networks bei Siemens global verantwortet. Es basiert auf der Open-Source Portal-Software Liferay und bieter die Funktionen Netzwerke, News, Profilseiten, Urgent Request und Dashboard. Das virale Video, das als Teil der Change Management Maßnahmen erstellt und auf YouTube veröffentlicht wurde[12] verwendet den TechnoWeb-Slogan "find people to get answers" und unterstreicht damit die Personalisierungsstrategie des Ansatzes.

Durch das Siemens Tagging Framework, das im Rahmen des Forschungsprojekts Theseus entwickelt wurde, können Applikationen wie Blogosphere, Wikisphere und TechnoWeb über Tags vernetzt werden.[13]

Corporate Memory (seit 2014)

-

Weitere Aktivitäten (unsortiert)

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Siemens in Zahlen. 2011. URL: http://www.siemens.com/annual/11/_pdf/Siemens_GB2011_AufEinenBlick.pdf, abgerufen am 21.08.2012.
  2. Pressekonferenz Siemens - The E-Driven Company am 10. Oktober 2000 in München. URL: http://www.tse.de/papiere/internet%20und%20netze/ecommerce/pierer.html, abgerufen am 19.08.2012.
  3. URL: http://www.siemens.com/about/pool/strategy/siemens-strategiebroschuere.pdf
  4. Knowledge management: How Siemens keeps KM blooming. 2003. URL: http://cio.co.nz/cio.nsf/tech/knowledge-management-how-siemens-keeps-km-blooming, abgerufen am 19.08.2012.
  5. Krause, H.: Wissensmanagement@Siemens. 2001. URL: http://www.uni-due.de/imperia/md/content/puu/siemens.pdf, abgerufen am 19.08.2012.
  6. Deking, I.: Knowledge Scorecards - Bringing Knowledge Strategy into the Balanced Scorecard. 2001. URL: http://www.wi1.uni-erlangen.de/fileadmin/user_upload/downloads/publications/working_papers/knowledgescorecards.pdf, abgerufen am 19.08.2012.
  7. Ehms, K.: Persönliche Weblogs in Organisationen. 2010. URL: http://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/1380/file/Diss_Ehms_Weblogs.pdf, abgerufen am 18.08.2012.
  8. Ehms, K.: Globale Mitarbeiter-Weblogs bei der Siemens AG. 2009. URL: http://www.e20cases.org/wp-content/uploads/fallstudien-gold/e20buch-back-siemens.pdf, abgerufen am 19.08.2012.
  9. BITKOM: Enterprise 2.0 - auf der Suche nach dem CEO 2.0. URL: http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Positionspapier_Enterprise20(1).pdf, abgerufen am 19.08.2012.
  10. Lindner, B.: Der Einsatz von Wikis in der Siemens AG. 2008. URL: http://i-know.tugraz.at/wp-content/uploads/2011/11/I-KNOW_Bernd_Lindner_Der_Einsatz_von_Wikis_in_der_Siemens_AG.pdf, abgerufen am 19.08.2012.
  11. Mörl, S., Heiss, M., Richter, A.: Siemens: Wissensvernetzung mit TechnoWeb 2.0. 2011. URL: http://www.e20cases.org/files/fallstudien/e20cases-09-siemens.pdf, abgerufen am 19.08.2012.
  12. URL: http://www.youtube.com/watch?v=n7zUIPeasxE, abgerufen am 19.08.2012.
  13. Langen, M., Kammergruber, W.: Vom Tagging zu leichtgewichtigen Ontologie: Tag-Thesaurus und soziale, semantische Suche. 2010. URL: http://www.knowtech.net/files/documents/0945__F02-06_Langen_Siemens.pdf, abgerufen am 19.08.2012.