Expert Debriefing Seminar/Die Methode Expert Debriefing/Persönliche Wissenslandkarte aufbauen

Die Persönliche Wissenslandkarte dient dazu, einen systematischen und vollständigen Überblick über das gesamte in Bezug auf eine Stelle relevante Wissen herzustellen. Die persönliche Wissenslandkarte kann somit als Wissenslandkarte einer Person und ihrer Stelle betrachtet werden. Die persönliche Wissenslandkarte beinhaltet im Gegensatz zu einer Mind Map eine vorstrukturierte erste Ebene, um systematisch das Gedächtnis und damit das implizite Wissen des Experten zu aktivieren:

  • Arbeitshistorie: Episodengedächtnis, Aufhänger für Geschichten zu große Erfolgen und großen Katastrophen in der Vergangenheit.
  • Aufgaben (und Rollen): prozedurales Gedächtnis, mit dem Wissen über organisationale Prozesse.
  • Wissensgebiete: deklaratives Gedächtnis, welches das benötigte Wissen beinhaltet.

Alle drei Bereiche können Ausgangspunkte für die Ableitung des Maßnahmen-Plans beinhalten.

Eingaben (Input)

  • Vorlage persönliche Wissenslandkarte (FreeMind oder MindManager, deutsch oder englisch)

Vorgehensweise

Hinweis: der Aufbau der persönlichen Wissenslandkarte dauert ca. 3 Stunden.

Im Termin

  1. Arbeitshistorie in der Persönlichen Wissenslandkarte im Bereich „Arbeitshistorie“ erheben
    1. In welchem Zeitraum könnte sich für den Nachfolger relevantes Wissen verbergen (z.B. Zeit beim aktuellen Arbeitgeber, 10 Jahre)?
    2. Welche groben Phasen gab es in diesem Zeitraum (Zeitraum jeweils in Klammern angeben, z.B. „Firma xy (1987-1993)“)?
    3. Welche Aufgabenschwerpunkte und Ereignisse (positive und negative) gab es in den einzelnen Phasen?
    4. [optional] Welche wichtigen Geschichten ranken sich rund um die Arbeitshistorie (Erfolge, Katastrophen, Lustiges, Peinliches etc.)?
  2. Aufgaben in der persönlichen Wissenslandkarte im Bereich „Aufgaben“ erheben
    1. Lassen sich die Aufgaben Ihrer Stelle sinnvoll in einzelne Rollen (z.B. Projektleiter, Vorgesetzter) gruppieren?
    2. Welche Aufgaben haben Sie je Rolle? (Format „Objekt + Verb“ (z.B. „Schulung durchführen“), wichtige Ansprechpartner, Dokumente, Tipps & Tricks können gleich mit erhoben werden).
    3. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Priorität jeder einzelnen Aufgabe (1=muss, 2=kann, 3=sollte erledigt werden)
    4. Prüfen der Vollständigkeit mit hypothetischen Fragen, z.B. "Was könnte in den ersten 3 Monaten nach ihrem Ausscheiden schief laufen?", "Was wäre das schlimmste, was ihrem Nachfolger passieren könnte?"
  3. Wissensgebiete, die für die Ausführung der Aufgaben benötigt werden, in der persönlichen Wissenslandkarte im Bereich „Wissensgebiete“ erheben
    1. Aus den Aufgaben: Welche Wissensgebiete sind für die Ausführung Ihrer Aufgaben wichtig?
      1. Hinweis: Wissensgebiete in Lemma-Form (Grundwort, Singular) formulieren. Als Hilfe kann man dem Experten sagen, die Formulierung soll sein, wie bei einem Hochschul-Lehrstuhl (z.B. aus Lehrstuhl für Werkstoffwissenschaften wird das Wissensgebiet Werkstoffwissenschaften).
      2. Hinweis: Strukturierungstiefe max. 3 Ebenen, 5±2 Einträge pro Ebene.
      3. Hinweis: wichtige Ansprechpartner, Dokumente, Tipps & Tricks können gleich mit erhoben werden.
    2. In welchen Wissensgebieten sind Sie Experte? Zu welchen Wissensgebieten haben Sie viel Erfahrung?
    3. Zu welchen Wissensgebieten werden Ihnen von anderen Personen häufig Fragen gestellt?
    4. Wissensgebiete strukturieren.
      1. Hinweis: analog zum Aufbau von Wissenslandkarten gilt als Daumenregel: max. 3 Ebenen, 5±2 Einträge je Ebene.
    5. Wie hoch ist aus Ihrer Sicht die Priorität jedes einzelnen Wissensgebiets
      1. Hinweis: 1=sehr wichtig, 2=wichtig, 3=weniger wichtig
    6. [optional] Wissensquellen (Personen, Daten) zu den Wissensgebieten eintragen.

Nach dem Termin

  1. Persönliche Wissenslandkarte überarbeiten
    1. Rechtschreibung korrigieren
    2. Sortierung der Zweige anpassen: nach Priorität, dann nach Alphabet
    3. Farbcodes anpassen
    4. Struktur bereinigen
  2. [optional] Inhalte aus Arbeitshistorie, Aufgaben und Wissensgebiete in persönliches Wiki übertragen
  3. [optional] Persönliche Wissenslandkarte als PDF erstellen, da Mind Map Tools nicht immer verfügbar sind
  4. Persönliche Wissenslandkarte (und persönliches Wiki) an Experten schicken (CC-Liste aus dem Vorgespräch verwenden)

Ressourcen und Hilfsmittel

  1. Nückles, Gurlitt, Papst: Mind Maps and Concept Maps. Visualisieren, Organisieren, Kommunizieren. DTV 2004.
  2. FreeMind - kostenlose Software zur Erstellung von Mind Maps
  3. MindManager - kommerzielle Software zur Erstellung von Mind Maps
  4. XMind - kostenlose Software zur Erstellung von Mind Maps (Pro-Version verfügbar)

Ergebnisse (Output)

  • Priorisierte persönliche Wissenslandkarte des Experten (Dokument-Verantwortlicher: Experte)

Tipps und Tricks

  • Kommt aus dem Vorgespräch heraus, dass der Experte viele Aufgaben hat, so sollte mit den wichtigsten begonnen werden (um nicht in die Gefahr zu laufen, zu viel Zeit mit unwichtigen Aufgaben zu verbringen).
  • Häufig fallen dem Experten in den einzelnen Bereichen schon Maßnahmen ein, z.B. „da muss ich noch einen Projektbericht erstellen“. Die Maßnahmen entsprechend der Legende aufnehmen, so dass sie für sich aussagekräftig sind, z.B. „Bericht für Projekt XY fertigstellen“. Mit dem Mind Manager können über den Power Filter die Maßnahmen dann selektiert werden und per Copy & Paste in den Maßnahmenplan überführt werden.


Aufgabe: Erstellen Sie in 30 Minuten Ihre persönliche
Wissenslandkarte mit FreeMind oder MindManager.