Wtc26/Wie etabliere ich eine Community of Practice erfolgreich? (wtc26)
Diese Session behandelt die Erfolgsfaktoren zur Etablierung einer Community of Practice als Wissensnetzwerk für Praktiker:innen. Ausgehend von einem konkreten Praxisfall – dem Aufbau einer Community of Practice im Rahmen einer Wissenstransfer-Ausbildung für zehn Transferbegleiter:innen bei einem Kunden in Wien – diskutieren die Teilnehmenden Erfahrungen aus Vereins- und Unternehmenskontexten. Dabei werden zentrale Erfolgsfaktoren wie Freiwilligkeit, Mehrwert und gemeinsame Vision identifiziert, aber auch typische Scheiterungsgründe wie das schleichende “Einschlafen” solcher Communities besprochen.
Session Owner: Lukas Alberer
Schlagworte: Community of Practice, Wissenstransfer, Erfolgsfaktoren, Freiwilligkeit, Wissensnetzwerk
Grundstruktur einer Community of Practice
Eine Community of Practice wird als Wissensnetzwerk beschrieben, in dem Praktiker:innen zu einem gemeinsamen Thema zusammenkommen. Zentrale Elemente sind die Koordination (mit einem Community Leader), ein Sponsor, der Ressourcen wie Budget und Räume bereitstellt, eine Kerngruppe, die Themen und Termine organisiert, sowie Satelliten – interne oder externe Personen, die zeitweise oder unternehmensübergreifend eingebunden werden können.
Erfahrungen aus der Praxis: Scheitern und Gelingen
Aus Vereins- und Beratungskontext wird berichtet, dass Communities of Practice selten abrupt scheitern, sondern eher “einschlafen” – meist mangels aktiver Beteiligung, nicht weil die ursprünglichen Ziele anderweitig erreicht wurden. Ein Beispiel aus einem Unternehmenskontext zeigt, wie ursprünglich als “Lernteams” konzipierte Formate durch zunehmende Hierarchisierung ihren Community-Charakter verloren und in reine Projekt- oder Strategieteams umgewandelt wurden, wobei der Lernaspekt verschwand.
Identifizierte Erfolgsfaktoren
Im Austausch werden mehrere zentrale Erfolgsfaktoren herausgearbeitet: Partizipation der Mitglieder muss möglich sein, ein klarer Mehrwert aus dem Austausch muss erkennbar sein, Freiwilligkeit ist essentiell (da laut Dave Snowden Wissen nur freiwillig geteilt werden kann), eine gemeinsame Vision als Basis wird benötigt, und ein klarer Rahmen (Raum, Zeit, Kultur, Verbindlichkeiten) muss gesetzt werden. Zusätzlich wird diskutiert, dass eine gewisse Diversität der Gruppe wichtige Impulse liefern kann, während zu große Heterogenität die Gruppendynamik erschweren kann.
Der Praxisfall: Community of Practice nach der Ausbildung
Im konkreten Anwendungsfall soll eine Gruppe von zehn frisch ausgebildeten Transferbegleiter:innen nach Abschluss ihrer Wissenstransfer-Ausbildung in eine selbstorganisierte Community of Practice überführt werden. Ziel ist, dass sich diese Gruppe eigenständig weiter zu Themen austauscht und im Idealfall mit jedem weiteren Ausbildungsdurchgang wächst, auch ohne die fortlaufende Begleitung durch die Ausbildungsleitung.
Fazit
- Freiwilligkeit als Kernprinzip: Wissen kann nur freiwillig geteilt werden – verordnete Teilnahme führt zu reiner Informationsweitergabe, nicht zu echtem Wissensaustausch.
- Mehrwert entscheidet über Fortbestand: Communities of Practice sterben nicht abrupt, sondern schlafen ein, wenn Teilnehmende keinen erkennbaren Nutzen aus dem Austausch ziehen.
- Balance zwischen Struktur und Selbstorganisation: Ein klarer Rahmen (Koordination, Zeit, Raum) unterstützt die Selbstorganisation, sollte aber die Freiwilligkeit und Partizipation nicht einschränken.