KI-Campus
Der KI-Campus ist die zentrale deutsche Lernplattform für Künstliche Intelligenz. Sie wird vom Stifterverband in Zusammenarbeit mit zahlreichen Partnern entwickelt und betrieben. Alle Lernangebote sind kostenfrei und unter einer offenen Lizenz (CC BY-SA 4.0) verfügbar. Der KI-Campus richtet sich primär an Hochschulen - Studierende, Lehrende und Verwaltungsmitarbeitende - adressiert darüber hinaus aber ausdrücklich auch Unternehmen, Behörden und die Zivilgesellschaft. Dank der offenen Creative-Commons-Lizenzierung können alle Materialien von Dritten kostenlos nachgenutzt, angepasst und weitergegeben werden - auch für kommerzielle Zwecke.
Entstehung und Trägerschaft
Der KI-Campus startete im Oktober 2019 als Forschungs- und Entwicklungsprojekt, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Im Juli 2020 ging die Lernplattform online. Die Initiative entstand aus der KI-Strategie der Bundesregierung mit dem Ziel, die Innovationsfähigkeit Deutschlands durch breit angelegte KI-Bildung zu stärken. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) wandte sich an den Stifterverband, der seitdem die Geschäftsstelle verantwortet und die strategische Koordination übernimmt.
2022 wurde der KI-Campus als erste deutsche Lernplattform in das European MOOC Consortium aufgenommen, dem größten Verbund von MOOC-Plattformen in Europa. Neben dem BMBF fördern weitere Partner Projekte des KI-Campus:
- Dieter Schwarz Stiftung
- Mercedes-Benz Fonds
- TÜV Süd
Angebote und Formate
Aktuell stehen mehr als 100 Angebote und Bildungsformate zur Verfügung. Das Portfolio umfasst drei Kurstypen nach Tiefe und Aufwand:
- Mikrokurse (2-4 Stunden): Niedrigschwelliger Einstieg zu konkreten Themen wie dem EU AI Act, Grundlagen der KI oder KI in der Hochschulverwaltung. Richten sich an Einsteiger ohne Vorkenntnisse.
- Massive Open Online Courses - MOOCs (30-150 Stunden): Vertiefte Auseinandersetzung, etwa im Bereich Machine Learning oder generative KI. Können an Hochschulen als Studienleistung angerechnet werden.
- Spezialformate: Thematische Podcasts, Lernvideos, Blended-Learning-Kurse und Formate wie das Promptlabor Hochschullehre für spezifische Bedarfe.
Thematisch reicht das Spektrum von KI-Grundlagen über KI in der Medizin, KI in der Schule und KI-Leadership bis zu technischen Themen wie Automated Machine Learning. Die Angebote sind überwiegend auf Deutsch, teilweise auch auf Englisch verfügbar.
Zertifizierung
Kurse können mit drei Arten von Nachweisen abgeschlossen werden:
- Teilnahmebescheinigung - Nachweis der aktiven Kursteilnahme ohne Prüfungsleistung
- Leistungsnachweis (Micro-Credential) - Setzt das Bestehen integrierter Tests voraus (in der Regel 50-60 % der Aufgaben)
- Micro-Degree - Umfangreicherer Abschluss für mehrstufige Lernpfade
Workloads können je nach Kurs und Hochschule als Studienleistung angerechnet werden. Eine Kooperation mit der Landesärztekammer Baden-Württemberg ermöglicht zudem die Anrechnung als CME-Punkte (Continuous Medical Education) für Mediziner.
Offenheit und Nachnutzung (OER)
Ein zentrales Prinzip des KI-Campus ist die offene Lizenzierung aller Inhalte unter CC BY-SA 4.0. Das bedeutet konkret: Eine Hochschule, die gemeinsam mit dem KI-Campus einen Kurs entwickelt, stellt diesen automatisch auch allen anderen Institutionen zur freien Verfügung. Andere Hochschulen können Kurse vollständig übernehmen, Module neu zusammenstellen oder Inhalte an den eigenen Kontext anpassen.
Ein Praxisbeispiel: Die Duale Hochschule Baden-Württemberg stellte aus Modulen mehrerer bestehender Kurse ein maßgeschneidertes Angebot zu KI und wissenschaftlichem Arbeiten zusammen - und rollte es über eine eigene Moodle-Umgebung für über 2.000 Personen aus.
Zur Förderung der Integration in die Hochschullehre bietet der KI-Campus seit 2020 Fellowship-Programme an, die Lehrende bei der didaktisch sinnvollen Umsetzung von KI-Lernszenarien begleiten.
Partner und Netzwerk
Zu den rund 50 Partnern gehören unter anderem:
- Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI)
- Humboldt-Universität zu Berlin
- FernUniversität in Hagen
- Technische Universität München (TUM)
- RWTH Aachen
- Universität Tübingen
- Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
- Innovationspark Künstliche Intelligenz (IPAI) Heilbronn
Das seit 2025 laufende Folgeprojekt KI-Kompetenzen an Hochschulen stärken (gefördert durch das BMFTR) umfasst ein Kernkonsortium aus neun Hochschulen mit zusammen über 300.000 Studierenden.
Regionale Hubs beraten Institutionen bei der Nachnutzung der Angebote:
- Nordrhein-Westfalen - FernUniversität in Hagen und Universität Düsseldorf
- Baden-Württemberg - Heilbronn / IPAI
Reichweite und Ziele
Anfang 2025 waren rund 150.000 Personen auf der Plattform registriert. Das erklärte Ziel ist es, bis 2030 insgesamt 500.000 Personen zu erreichen - über die eigene Plattform und die Nutzung an Partnerinstitutionen zusammengerechnet.
Als Messgröße für eine KI-kompetente Gesellschaft benennt der KI-Campus drei Dimensionen:
- Fähigkeit, KI im Alltag zu erkennen und kritisch einzuordnen ("engaging with AI")
- Curriculare Verankerung von KI-Kompetenzen an Hochschulen und Schulen
- Gestiegener Anteil von Unternehmen, die KI-Potenziale produktiv nutzen
Relevanz für den EU AI Act
Artikel 4 des EU AI Acts verpflichtet Institutionen, die KI-Systeme einsetzen, zur Förderung von KI-Kompetenzen bei ihren Mitarbeitenden. Der KI-Campus positioniert sich ausdrücklich als Instrument zur Erfüllung dieser Anforderung - insbesondere für Hochschulen, die KI-Tools für Studierende und Beschäftigte bereitstellen.